Inhaltliche Qualitätssicherung: Karoline Lorf (Apothekerin)
Kennst du das Gefühl, dass du eigentlich alles richtig machst: ausreichend schläfst, halbwegs gesund isst, versuchst Stress zu reduzieren, und trotzdem irgendwie nicht mehr so fit bist wie früher? Dass die Energie nicht mehr so selbstverständlich da ist wie mit 30? Dieses Gefühl hat einen biologischen Grund, und der hat nichts mit mangelnder Disziplin zu tun.
In der Apotheke erlebe ich, dass Begriffe wie Longevity und Well-Aging oft Skepsis auslösen. Klingt nach Wellness-Marketing, nach teuren Supplements für Leute die zu viel Zeit haben. Ich verstehe das. Was dahintersteckt, ist ganz nüchterne Zellbiologie, und die lohnt sich zu verstehen, egal in welchem Alter du gerade bist.
Dieser Artikel geht eine Ebene tiefer: Was passiert auf zellulärer Ebene, besonders in der Perimonopause und anderen hormonellen Übergangsphasen, und warum reicht die beste Ernährung manchmal trotzdem nicht aus?
Was Anti-Aging, Well-Aging und Longevity genau bedeuten, haben wir hier ausführlich erklärt.
Was passiert eigentlich in deinen Zellen?
Stell dir vor, dein Körper ist ein Unternehmen das rund um die Uhr in Betrieb ist. Die Mitochondrien sind dabei die Energieabteilung: Sie produzieren ATP, den universellen Treibstoff für alles was du tust, denken, bewegen, regenerieren. Jede stressige Woche, jede Nacht mit zu wenig Schlaf, jede Phase hormoneller Veränderung wird von dieser Abteilung mitfinanziert.
Als Nebenprodukt entstehen dabei reaktive Sauerstoffspezies, kurz ROS, auch bekannt als freie Radikale. Man kann sie sich wie kleine Abgaswolken vorstellen. Normalerweise hat der Körper gute Systeme um damit umzugehen. Chronischer Stress, Schlafmangel und ein sinkender Hormonspiegel in der Perimenopause überlasten diese Reinigungssysteme jedoch. Es entsteht oxidativer Stress, der nachweislich die Zellalterung beschleunigt.
Forscher der University of Washington haben zusammengefasst: Mitochondrialer oxidativer Stress ist einer der zentralen Mechanismen des biologischen Alterns, besonders relevant für Herz, Skelettmuskel und Nervensystem (Dai et al., Longevity & Healthspan, 2014). Dieselbe Forschungsgruppe betont, dass wahllose Antioxidantien-Supplementierung in klinischen Studien oft enttäuschend abschnitt. Es geht nicht ums Blindsupplementieren, sondern ums gezielte, individuelle Handeln.
Laura, eine Geschichte die viele kennen
Laura ist 47, arbeitet als Projektleiterin, hat zwei Kinder im Teenageralter und würde sich selbst als “eigentlich gesund lebend” beschreiben. Sie schläft sieben Stunden, macht einmal die Woche Sport, ernährt sich überwiegend ausgewogen. Trotzdem fühlt sie sich seit etwa einem Jahr anders: weniger belastbar, schneller erschöpft, morgens schwerer in Gang kommend.
Beim Gespräch in der Apotheke stellt sich heraus: Die familiäre und berufliche Belastung ist hoch. Mit zunehmendem Alter und in der Perimonopause verändern sich verschiedene Stoffwechsel- und Hormonprozesse. Dazu gehören auch Veränderungen des Q10-Stoffwechsels und der Kollagenbildung.
Laura isst gesund, aber in ihrer aktuellen Lebensphase kann der Bedarf an einzelnen Mikronährstoffen erhöht sein.
Warum Ernährung allein in Hochlastphasen oft nicht reicht
Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, keine Frage. In bestimmten Lebensphasen kann der Bedarf an einzelnen Mikronährstoffen erhöht sein und über die Nahrung schwerer vollständig gedeckt werden.
Hochlastphasen wie chronischer Stress oder die Perimonopause können dabei ein Verstärker sein: Sie können den Bedarf an Magnesium, den Verbrauch an Vitamin C über die Nebennieren und die Produktion freier Radikale, erhöhen.
Ein Überblick über die wichtigsten Wirkstoffe im Well-Aging-Kontext:
| Wirkstoff | Zielstruktur | Warum relevant |
|---|---|---|
| Ubiquinol (Q10) | Mitochondrien | Q10-Spiegel sinken mit dem Alter nachweislich. Ubiquinol ist die direkt einsetzbare Form, keine Umwandlung im Körper nötig. |
| Magnesium | Nervensystem & Energiestoffwechsel | Unter Stress steigt der Bedarf, gleichzeitig scheidet der Körper mehr aus. Ein klassischer Teufelskreis. |
| Vitamin C | Kollagensynthese | Essenzieller Cofaktor für zwei Schlüsselenzyme der Kollagenbildung. Ohne Vitamin C können Fibroblasten kein stabiles Kollagen aufbauen. |
| Selen | Zellschutz | Baustein der Glutathionperoxidase, einem der wichtigsten körpereigenen Enzyme gegen freie Radikale. |
Ubiquinol: Warum die Form entscheidet
Coenzym Q10 kennen viele, aber der Unterschied zwischen Ubiquinon und Ubiquinol wird oft unterschätzt. Ubiquinol ist die direkt einsetzbare Form, der Körper muss sie nicht erst umwandeln. Diese Umwandlung funktioniert mit zunehmendem Alter schlechter, besonders unter Stress oder bei Statin-Einnahme. Wer Statine nimmt, sollte wissen dass diese über denselben biochemischen Weg auch die körpereigene Q10-Produktion reduzieren. Eine Ergänzung mit Ubiquinol kann sinnvoll sein, aber immer mit dem Arzt oder der Apotheke besprechen.
Magnesium: Das Anti-Stress-Mineral mit Teufelskreis-Potenzial
Magnesium ist an zahlreichen enzymatischen Reaktionen im Körper beteiligt. Im Kontext von Well-Aging ist seine Rolle besonders an zwei Stellen entscheidend: am Nervensystem und im Energiestoffwechsel.
Als natürlicher Antagonist an NMDA-Rezeptoren dämpft es neuronale Übererregung und moduliert die Freisetzung von Stresshormonen.
Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems und des Energiestoffwechsels bei.
Das Tückische: Unter chronischem Stress scheidet der Körper mehr Magnesium über die Nieren aus, ausgerechnet dann wenn der Bedarf am höchsten ist. Symptome wie innere Unruhe, Schlafstörungen oder Muskelzucken können trotz unauffälliger Laborwerte auftreten.
Dieser Teufelskreis ist wissenschaftlich gut belegt: Eine Übersichtsarbeit in Nutrients beschreibt, wie ein Magnesiumdefizit die Stressreaktion verstärkt und Stress wiederum den Magnesiumverlust erhöht (Pickering et al., 2020). Erste Hinweise aus einer randomisierten Interventionsstudie deuten zudem darauf hin, dass Magnesiumsupplementierung die Cortisolausscheidung positiv beeinflussen könnte. Die Studie war allerdings klein (49 Teilnehmer) und als Post-hoc-Analyse angelegt, weshalb weitere Forschung nötig ist (Schutten et al., 2021).
Vitamin C und Kollagen: Was die meisten nicht wissen
Viele Menschen greifen zu Kollagenpräparaten, und das kann sinnvoll sein. Vitamin C spielt eine wichtige Rolle bei der normalen Kollagenbildung und wird deshalb häufig mit Kollagenpräparaten kombiniert.
Vitamin C ist nicht nur ein Antioxidans, sondern essenzieller Cofaktor für zwei Schlüsselenzyme der Kollagenbiosynthese: Prolyl- und Lysyl-Hydroxylase. Ohne diese Enzyme entstehen instabile Kollagenfasern die keine strukturelle Funktion erfüllen.
Stell dir das so vor: Kollagen ist wie ein Seilgeflecht das dein Bindegewebe zusammenhält. Vitamin C ist das Werkzeug mit dem die einzelnen Stränge korrekt verknüpft werden. Fehlt das Werkzeug, hängt das Seil lose, egal wie viel Rohmaterial vorhanden ist.
Eine Übersichtsarbeit im Fachjournal Nutrients fasst zusammen: Vitamin C stimuliert nicht nur die Kollagenproduktion, sondern auch die Genexpression von Kollagen in den Fibroblasten selbst (Pullar et al., 2017).
Was der sinkende Östrogenspiegel in der Perimenopause konkret mit der Haut macht, erklären wir in unserem Artikel Haut in den Wechseljahren: Östrogenmangel und Kollagenverlust verstehen.
Innen und außen: Die beste Strategie
In der Apothekenberatung empfehle ich immer die Kombination aus innen und außen. Oral eingenommene Mikronährstoffe können über den Blutweg auch die tieferen Hautschichten erreichen und die Mitochondrien in den Zellen. Topische Produkte pflegen die Oberhaut direkt und spenden sofortige Feuchtigkeit.
Konkret: Wer Kollagen-Peptide oral einnimmt, sollte sie mit Vitamin C kombinieren. Wer Q10 supplementiert, wählt besser Ubiquinol. Wer unter Stress steht, denkt an Magnesium in einer gut bioverfügbaren Form.
Drei Alltagstipps die ich Laura mitgegeben habe:
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Bewegung: Mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche verbessern die Durchblutung und damit die Nährstoffversorgung aller Gewebe.
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Schlaf: 7 bis 9 Stunden sind keine Luxus-Empfehlung. Nachts laufen Zellreparatur und Regeneration auf Hochtouren, genau die Prozesse die Well-Aging unterstützen.
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Sonnenschutz: UV-Strahlung beschleunigt den Kollagenabbau und erhöht den oxidativen Stress in der Haut. Täglicher SPF ist Prävention, keine Eitelkeit.
Fazit
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Mitochondrialer oxidativer Stress ist ein zentraler Treiber des biologischen Alterns, gut belegte Zellbiologie, kein Lifestyle-Trend
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In Hochlastphasen wie Stress oder Perimenopause kann der Bedarf an einzelnen Mikronährstoffen erhöht sein
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Ubiquinol, Magnesium, Vitamin C und Selen haben eine solide Studienlage und sind keine Modeprodukte
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Bewegung, Schlaf, Sonnenschutz und eine bedarfsgerechte Mikronährstoffversorgung können sinnvoll ergänzt werden
Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Was für Laura sinnvoll ist, muss für dich nicht dasselbe sein. Jeder Körper ist anders, Alter, Hormonstatus, Stressbelastung, Vorerkrankungen und Medikamente spielen alle eine Rolle. Lass dich deshalb individuell beraten, in der Apotheke vor Ort oder bei uns per Beratung.
Das findest du bei Manuthek
Unsere Produkte werden in der eigenen Manufaktur hergestellt, ohne unnötige Zusatzstoffe, mit klar deklarierten Wirkstoffen und in geprüfter Qualität.
Bei Fragen zu Dosierung, Kombination oder Wechselwirkungen stehen wir dir per Beratung zur Verfügung.
Mehr lesen & vertiefen
Unsere Ratgeber:
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Haut in den Wechseljahren: Östrogenmangel und Kollagenverlust verstehen
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Coenzym Q10 und Energieproduktion: Die Rolle in den Mitochondrien
Wissenschaftliche Grundlagen:
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Dai DF et al. (2014). Mitochondrial oxidative stress in aging and healthspan. Longevity & Healthspan. PMC4013820
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Hernández-Camacho JD et al. (2018). CoQ10 Supplementation in Aging and Disease. Frontiers in Physiology. PMC5807419
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Pullar JM et al. (2017). The Roles of Vitamin C in Skin Health. Nutrients. PMC5579659
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Pickering G et al. (2020). Magnesium Status and Stress. Nutrients. PMC7761127
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Schutten JC et al. (2021). Long-term magnesium supplementation. Clinical Endocrinology. PMC7821302
Externe Quellen:
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Apotheken Umschau: Longevity – Wie wir gesund alt werden können
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Pharmazeutische Zeitung: Das Beratungs-Dilemma bei Longevity-Produkten
APPROBIERTE APOTHEKERIN • PUBLIC HEALTH • DIGITALE GESUNDHEITSKOMMUNIKATION
Karoline Lorf verbindet pharmazeutische Praxis mit Public-Health-Perspektiven und digitalem Denken. Mit Erfahrung in öffentlicher Apotheke, Krankenhaus und klinischen Umgebungen, darunter die Leitung pharmazeutischer Operationen im COVID-19-Impfzentrum Düsseldorf, bringt sie ein tiefes Verständnis für Arzneimittelsicherheit und Qualitätsprozesse mit. Heute fokussiert sie sich auf skalierbare Gesundheitsbildung, KI-gestützte Ansätze und Health Equity: Gesundheitsinformationen müssen für alle zugänglich sein, unabhängig von Bildung, Einkommen oder Wohnort. Sie studiert derzeit Public Health an der IU Hochschule.

